
Bodensee
Offene und geschlossene Flächen, vorspringende und zurücktretende Elemente – Biehler Weith Associated treiben das Spiel der Verfeinerung für dieses Haus am Bodensee auf die Spitze.
Internationales Flair, milde Temperaturen und ein eindrucksvolles Alpenpanorama machen den Bodensee zu einem ganz besonderen Ort. Auf der deutschen Seite eher flach, wird es im schweizerischen Gebiet zunehmend bergiger. Hier haben die Architekten Biehler und Weith für eine 3-köpfige Familie ein neues Zuhause gebaut. Wie ein grosser, weisser Sandstein erhebt sich das Haus am Untersee aus der grünblauen Hügellandschaft. Solide und doch dynamisch wirkt das Gebäude. Der im Süden in die Erde gegrabene Kubus streckt sich nach Norden immer weiter dem See und der genau gegenüberliegenden Insel Reichenau entgegen. Das um mehr als 90° gedrehte Obergeschoss scheint mit seiner Auskragung förmlich in den See springen zu wollen. Zwischen den zwei alten Villen, die das Grundstück umgeben, wirkt die neue, expressive Form noch intensiver. «Eine solch imposante Lage lässt auch eine expressive architektonische Geste zu», sagten die Architekten. Und es stimmt, das Haus schafft sich in der aussergewöhnlichen Lage an der Hangkante zum Untersee einen Ort mit eigenem Charakter. Auch die Orientierung der Innenräume strebt der beispiellosen Aussicht zu. Da der Bodensee im Norden des Grundstücks liegt, haben die Architekten das ganze Haus als offenen, luftigen Raum konzipiert, um möglichst viel Tageslicht ins Innere zu holen. So entstehen Durchsichten und Raumkompositionen, die diesen ganz besonderen Ort richtig zu nutzen verstehen.

Fotos: Brigida González
imm Cologne
Die imm Cologne glänzte mit Kreativität und Branchenstars. Die Designer denken weiter und erfüllen heutige Erfordernisse in heutigen Formensprachen.
→ Sofas: Komfortable Höhen lösen den Lounge-Look ab.
→ Stühle & Sessel: Scharf geschnitten, stark gefärbt.
→ Tische: Geselliges Gastmahl oder funktionales TV-Dinner?
→ Stauräume: Nüchternheit regiert, Farbe bereichert.
Fahndorf AT
Im niederösterreichischen Weinviertel erweitern propeller z Architekten einen vergessenen Bauernhof mit einem Leichtmetall-Neubau. Wie Zeit reisende erzählen die Gebäude die Geschichte einer Rückkehr.
Während des Kalten Krieges galt das niederösterreichische «Weinviertel», eine der tschechischen Grenze nahe gelegene Gegend, als eine gottverlassene Provinz. Wie in einem Reservat wurden Siedlungsstrukturen und Bauten vom Kommen und Gehen der Trends vergangener Jahrzehnte vergessen oder vielmehr verschont. In etlichen Ortschaften gibt es keinen Laden, keine Bahnstation und kein Wirtshaus mehr, was bewirkt, dass viele Menschen dem Dorfleben den Rücken kehren. Und doch kommen auch neue Bewohner aufs Land, und zwar aus den Städten.
Glück für das rührend winzige Dreiseitengehöft, in die Hände von Carmen Wiederin und Philipp Tschofen zu gelangen! Die beiden gehören zum erfolgreichen Wiener Architekturquartett propeller z und handelten beim Kauf im Affekt – jedoch ohne Reue. Eine Autostunde zwischen Wien und Fahndorf erscheint nicht viel, und doch liegen Welten zwischen Stadt und Land. Nach Landwirtschaft stand dem Paar nicht der Sinn, aber doch danach, das Land zu bebauen und zu beleben, vielmehr wiederzubeleben. Als die junge Familie das Grundstück übernahm, erwarteten viele Ortsansässige, dass das alte Gemäuer – einem Zeugen beschwerlicher Zeiten – dem Erdboden gleichgemacht werden würde. Doch es sollte anders kommen. Es ist der allerkleinste Hof im Ort, gelegen am äussersten Rand, dort wo sich das Dorf zu Feldern, Wald und Weinhügeln wendet, dort wo man Lebewohl sagt. Ganz und gar wohl lässt es sich hier leben, seitdem Renovation und Erweiterung im Sommer 2011 abgeschlossen worden sind, und es scheint, als wäre das Anwesen tatsächlich ein Wesen, eines, welches sich nun nach langer harter Arbeit erholen darf – so hockt es in der milden Mulde und umarmt stolz sein nagelneues Geschwisterhaus. Der Hof gliederte sich einst in Wohnhaus, Stall, Scheune mit Tenne und bot Platz für sechs Menschen, mehrere Tonnen Heu und nicht mehr als für ein Schwein und eine Kuh. Und heute: zu wenig Platz für die neue Besitzerfamilie, ihre zahlreichen Freunde und die weiss, braun und gefleckt gefleckte Katze, die noch keinen Namen hat. Ein Anbau musste her.
Die alte Substanz wurde fast vollständig erhalten und nur sanft renoviert, die 60 Zentimeter dicken Wände frisch gekalkt, morsche Holzböden erneuert, marode Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen ersetzt. Heute befi nden sich hier die Schlafzimmer, eine Stube, ein schlichtes Bad. Ein Winkel des Scheunendaches wurde entfernt und ein neuer Wohnkubus eingeschoben, zu dem eine Stahltreppe nach oben führt. Der schwere Lehmbau wird ergänzt mit einem metallverkleideten Leichtbau, der vielmehr eine «überdachte Terrasse» ist und der in sich ruhende bescheidene Bau erhält ein lichtdurchflutetes Pendant.
Fotos: Hertha Hurnaus
Schweiz/Bern
Zwei Dinge fallen einem auf in diesem Loft, das im ersten Stock einer einstigen Hefefabrik liegt und einen schönen Ausblick auf die dörfliche Szenerie des Ortes Hindelbank nahe der schweizerischen Bundeshauptstadt Bern bietet. Es sind die subtil abgestimmten Farbtöne der Einrichtung und der perfekt klingende Sound des Radios, der in allen Räumen zu hören ist. Ob all dieser Perfektion tritt das Raumerlebnis in die zweite Reihe – die 300-Quadratmeter-Halle ohne Stützen wirkt so grosszügig wie selbstverständlich. Der Kontrast zwischen dem städtisch wirkenden Loft- Lebensgefühl und dem Kirchturm gleich auf der anderen Strassenseite macht die Wohnsituation perfekt für einen Individualisten wie den Modeunternehmer Dominique Mifsud, seine Frau und die beiden gemeinsamen Töchter.
Die Agentur des Loftbesitzers vertritt bekannte Modemarken wie René Lezard oder Cinque in der Schweiz und lässt im Ausland für die Warenhauskette Globus Textilien herstellen. Weil er ständig unterwegs ist, legte der Unternehmer Wert darauf, ausserhalb der Stadt Bern zu leben. «Ich bin ständig in Städten auf der ganzen Welt unterwegs und lebe dann im Hotel», sagt der Vielreisende. «Deshalb brauchte ich keine urbane Hektik, wenn ich endlich mal zu Hause bin.» Weil er als Modeunternehmer auch Showrooms eingerichtet hat, wusste er ziemlich genau, wie er sich die Anmutung der Wohnräume in seinem Loft wünschte. Die Farben sind Ton in Ton gehalten, und die Räume strahlen deshalb die Ruhe aus, welche sich als Ausgleich zur Hektik der Modewelt gewisser massen anbieten. Wände in Gipsglattstrich und ein leicht glänzender Betonboden sorgen für ein fl iessendes Raumgefühl. Die Kanten der Wände dagegen sind offen und unbehandelt, «um den Industriecharakter der Räume» zutage treten zu lassen – eine subtile Bezugnahme auf die Zeiten, in denen in diesem gleichen Raum in stählernen Tanks Hefekulturen für die Bäckereibranche gezüchtet wurden. Ihnen ist die Überhöhe der Räume zu verdanken, die auch in grosszügigen Neubauten so kaum zu haben ist. Auf dem Balkon wird die Stimmung der «Hefi » am besten erlebbar. Hindelbank liegt in grüne Wiesen und Felder gebettet, man blickt auf die dörfl iche Szene und hat die Fabrik mit ihrer reich strukturierten Vielfalt von Bauten unterschiedlichen Alters im Rücken. Der mit Edelstahlmobiliar bestückte Balkon ist überhoch und bedacht, sodass eine Riesen loggia ent standen ist.
Fotos: Reto Guntli
Spezial
Über die Hecke hinaus
Outdoor-Möbel haben auch auf unbegrünten Dachterrassen die magische Fähigkeit, Ferien- und Freizeitstimmungen auszulösen.

Montana Der für seine frei konzipierbaren, in unzähligen Farben und Oberfl ächenbeschaffungen erhältlichen Modulstausysteme bekannte dänische Hersteller bietet mit «Tivoli» von Verner Panton farbenfrohe, wetterfeste Sitzgelegenheiten und bewahrt Designgeschichte nicht nur, sondern lässt sie leben: 2003 legte Joakim Lassen von Montana den ersten, aus dem Jahre 1955 stammende Stuhlentwurf des Kult-Designers Verner Panton wieder auf. Den Namen erhielt der Stuhl, weil er für ein Restaurant im Kopenhagener Vergnügungspark Tivoli kreiert wurde. Die neuen Versionen VP Bar und VP Lounge entstanden aus den Aufzeichnungen der Gedanken, die Verner Panton zu anderen möglichen Modellen des Stuhles gemacht hatte. 2010 stellte Montana zwei neue Mitglieder der Familie vor: VP Kitchen und VP Kids. In 11 Farben erhältlich, lädt der stapelbare Stuhl, für den 60 bis 110 Meter Schnur verarbeitet werden, zu bunt-fröhlichem Saitenspiel ein und verleiht jedem Aussen- und Innenraum eine unbeschwerte Atmosphäre. www.montana.dk

Richard Lampert Der junge niederländische Designer Bertjan Pot vereint in «Tie-Break» einfache Konturen mit einem spannenden Materialmix. Tennisnetz, Sicherheitsgurt und Flachstahl ergeben einen überdimensionalen, ultrabequemen Sessel mit höchster Sitzen-bleiben-Gefahr. Das Tennisnetz ist exakt so gespannt, dass Komfortkissen komplett überfl üssig sind, die Kanten sind mit Sicherheitsgurten eingenäht. Der in Schwarz und Blau erhältliche «Tie-Break» kann so problemlos das ganze Jahr über draussen stehen bleiben. Aber man wird ihn wohl schnell vermissen und auch im Innenraum benutzen wollen. www.richard-lampert.de